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Jing in der TCM – Die Essenz für Vitalität, Widerstandskraft und gesundes Altern
| Thema: KnowHow | Freitag, 27.02.2026 | By Dr. Alfred Gruber |
In der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) begegnet uns ein Begriff, der gleichermassen mystisch wie kraftvoll erscheint: Jing (ausgesprochen «Tsching»). Gemeint ist damit die Essenz unseres Lebens – bildlich gesprochen eine Art ursprüngliche Energiequelle oder «Grundbatterie», jene fundamentale Lebensenergie, die unsere Existenz trägt und erhält.
Doch was verbirgt sich konkret hinter dem Begriff Jing? Und welche Bedeutung hat es für den Erhalt unserer Gesundheit und den bewussten Aufbau unserer Energie?
1. Das vorgeburtliche Jing: Dabei handelt es sich um jene ursprüngliche Energie, die wir bei unserer Geburt von unseren Eltern mitbekommen – unsere angeborene Grundsubstanz.
2. Das nachgeburtliche Jing: Diese Form entsteht im Laufe unseres Lebens und wird fortwährend durch Ernährung, Atmung sowie unseren gesamten Lebensstil aufgebaut und beeinflusst.
Das vorgeburtliche Jing kann man mit einem Startkapital vergleichen – einer grundlegenden Lebensenergie, die uns von Geburt an begleitet. Es prägt unsere Konstitution, unsere Widerstandskraft (Wei-Qi) und beeinflusst auch unseren individuellen Alterungsprozess im Sinne der Longevity. Diese energetische Grundlage ist jedoch begrenzt. Sie lässt sich kaum vermehren, wohl aber achtsam bewahren. Nach traditioneller Auffassung der TCM endet das Leben, wenn dieses vorgeburtliche Jing vollständig erschöpft ist.
Im Unterschied dazu lässt sich das nachgeburtliche Jing aktiv stärken und erneuern. Es wird massgeblich durch unsere Lebensführung geprägt – durch das, was wir essen, wie wir atmen, wie wir denken und in welcher Beziehung wir zu unserer Umwelt und zu unseren Mitmenschen stehen. Belastende Emotionen wie Angst, dauerhafte Sorgen oder anhaltender Stress sowie stark verarbeitete, «leblose» Nahrung beschleunigen den Verbrauch dieser Energie. Freude, innere Ruhe, Naturverbundenheit und eine bewusste Lebensweise hingegen unterstützen den Aufbau und die Pflege des Jing.
Um diese jahrtausendealte Weisheit in ein modernes Bild zu übersetzen, eignet sich der Vergleich mit Batterie und Akku. Das vorgeburtliche Jing entspricht dabei einer fest eingebauten Batterie, mit der wir ins Leben starten. Mit jeder Beanspruchung entlädt sie sich ein Stück mehr. Ist diese Energiequelle vollständig erschöpft, endet nach traditionellem Verständnis unser Leben.
Das nachgeburtliche Jing lässt sich mit einem wiederaufladbaren Akku vergleichen – einer unterstützenden Energiequelle, die wir bewusst pflegen und stärken können. Ist dieser «Akku» gut gefüllt, profitieren Körper und Geist gleichermassen davon, und das vorgeburtliche Jing wird geschont. Sinkt jedoch die Energie des nachgeburtlichen Jing, greift der Organismus verstärkt auf die angeborenen Reserven zurück. Die Grundenergie wird dadurch schneller verbraucht – ein Ungleichgewicht entsteht. Die gute Nachricht: Im Gegensatz zur fest eingebauten Batterie kann dieser Akku immer wieder neu geladen werden.
Was schwächt oder leert das Jing?
Vor allem das nachgeburtliche Jing reagiert sensibel auf Belastungen. Energiemangel entsteht unter anderem durch eine unausgewogene Ernährung – insbesondere wenn nährende Substanz fehlt (Gu-Qi) –, durch mangelnden Naturkontakt sowie durch eine dauerhaft negative innere Haltung mit Stress, Sorgen oder Angst.
Besonders einschneidend wirken Schock und intensive Angstzustände. In solchen Momenten kann das energetische System abrupt einbrechen – das nachgeburtliche Jing, sinnbildlich der «Akku», kann innerhalb kürzester Zeit stark absinken.
Ein geschwächtes oder erschöpftes Jing kann sich auf unterschiedliche Weise bemerkbar machen, beispielsweise durch:
- ausgeprägte Müdigkeit und fehlenden Antrieb
- beschleunigte oder frühzeitige Alterungserscheinungen
- hormonelle Ungleichgewichte bis hin zu eingeschränkter Fruchtbarkeit
- verminderte Regenerationsfähigkeit im Sinne einer reduzierten Bio-Resilienz
Aus Sicht der Traditionellen Chinesischen Medizin ergibt sich daraus eine klare Empfehlung:
1. Achtsam leben – Schritt für Schritt
Jing entwickelt sich langsam. In der Natur gibt es keine «Schnellladungen». Ein bewusster, massvoller Lebensstil unterstützt den kontinuierlichen Aufbau dieser Essenz.
2. Die Lebensführung harmonisieren
Dauerhafter Stress, innerer Druck, Angstzustände, Schlafmangel oder eine insgesamt exzessive Lebensweise schwächen das Jing nachhaltig. Ausgleich und Rhythmus sind daher zentral.
3. Nährende, vitale Ernährung pflegen
Eine ausgewogene Kost im Sinne der Yin-Yang-Balance – oft auch als Qi-orientierte Küche bezeichnet – schafft die Grundlage, um die Essenz zu nähren.
4. Natur, Atmung und innere Arbeit integrieren
Regelmässiger Aufenthalt in der Natur, bewusste Atmung sowie Meditation, Ruhephasen und Zeit für sich selbst stärken das energetische Fundament.
5. Belastende Einflüsse reduzieren
Rauchen, übermässiger Alkoholkonsum, Suchtmittel, zu viel Zucker oder stark verarbeitete Salze wirken schwächend und sollten möglichst vermieden werden.
Jing bildet somit das Fundament unserer gesamten Lebensenergie.
In der TCM spricht man von den sogenannten «Drei Schätzen», die gemeinsam das Fundament des Lebens bilden:
- Jing – die Essenz, unsere Substanz und die grundlegende Basis des Daseins. Ohne Jing fehlt das Fundament.
- Qi – die bewegte Lebensenergie, die für Dynamik und Fluss sorgt. Ohne Qi keine Bewegung.
- Shen – unser Geist, unser Bewusstsein und unsere Ausstrahlung. Ohne Shen keine innere Klarheit und Strahlkraft.
Jing bildet dabei die Wurzel. Ist diese Wurzel kräftig, kann Qi harmonisch fliessen und Shen sich klar entfalten.
Gehen Sie daher achtsam mit Ihrer «Grundbatterie» – dem vorgeburtlichen Jing – um und sorgen Sie regelmässig für das Aufladen Ihres «Akkus», des nachgeburtlichen Jing. So schaffen Sie eine wesentliche Voraussetzung für Vitalität und gesundes Altern im Sinne der Longevity.
Ihr Dr. Alfred Gruber
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